Überblick

Nachdem es in den letzten Jahren immer wieder Unfälle gab, in denen Sprachprobleme eine Rolle spielten, verlangt die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) gemäß Annex 1 (Personnel  Licensing) von den Inhabern bestimmter Lizenzkategorien und Berechtigungen seit dem  5. März 2008 den Nachweis einer ausreichenden Beherrschung der im Flugfunk verwendeten Sprachen (i.d.R. Englisch und Deutsch). Dabei steht v.a. der Nachweis der Bewältigung ungewöhnlicher Situationen im Mittelpunkt, die nicht mit der Funk-Standardphraseologie bewältigt werden können. Dieser Nachweis wird als “Language Proficiency Check” bzw. “Sprachbefähigungs-Überprüfung” bezeichnet.

Die ICAO unterscheidet dabei insgesamt 6 verschiedene “Levels”/Stufen, wobei für die Verwendung im Flugfunk mindestens ein Level 4 (“operational level”) erforderlich ist. Die Sprachkenntnisse werden von speziell ausgewählten und geschulten Prüfern (sog. “Language Proficiency Examiners”/LPEs) anhand von 6 verschiedenen Kriterien bewertet:

  • Aussprache
  • Struktur
  • Wortschatz
  • Sprachgewandtheit
  • Hörverständnis
  • Verhalten im Gespräch

Diesen Nachweis der Sprachbefähigung müssen alle Bewerber um eine EUFCL-Lizenz sowie Inhaber aller nationalen oder ICAO Lizenzen in Form einer sog. Sprachbefähigungsprüfung/Language Proficiency Check erbringen. Ein Nachweis bzw. Anerkennung von anderen Sprachzertifikaten wie z.B. TOEFL, TOEIC etc. oder durch einen Lebenslauf ist nicht möglich.

Piloten ohne gültiger Sprachbefähigung dürfen keinerlei Berechtigungen ausüben, die die englische Sprache erfordern (z.B. Instrumentenflüge, Flüge ins nicht-deutschsprachige Ausland o.ä.). Diese Sprachbefähigung ist dabei nicht mit dem Funkerzeugnis (EFZ/AFZ) zu verwechseln, das (zumindest derzeit) unabhängig von der Sprachbefähigung ebenfalls erforderlich ist. Ausgenommen von dieser englischen Sprachbefähigung sind ausschließlich jene Piloten, die unabhängig von ihrer aktuellen Berechtigung ausschließlich nach Sichtflugregeln (VFR) im deutschsprachigen Raum fliegen wollen. Diese können auch ohne Nachweis der englischen Sprachbefähigung VFR-Flüge unter ausschließlicher Verwendung von deutschen Flugfunkverfahren durchführen.

Prüfung

Die Sprachbefähigungsüberprüfung besteht aus einem computergestützten Testverfahren und einem ca. 15-minütigen persönlichen Gespräch mit einem von der Austrocontrol zugelassenen und ausgebildeten Language Proficiency Examiner.

    License Entry for Language Proficiency Level 6

Die Sprachbefähigung für Level 4 ist 3 Jahre, die Befähigung für Level 5 ist 6 Jahre gültig. Vor Ablauf der Berechtigung muss die Befähigung im Rahmen einer neuerlichen Überprüfung verlängert werden. Die Befähigung Level 6 ist unbeschränkt gültig.